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Die Welt ist voll von Veränderung. New Work, Digitalisierung, Agilität, Design Thinking – um nur einige Schlagworte der aktuellen Zeit zu nennen. Egal welches Medium man heute konsultiert, man kommt nicht daran vorbei. Und darüber, dass moderne Zeiten eine neue Fehlerkultur erfordern ist ebenfalls allenthalben zu hören und zu lesen. Aber: was genau ist eigentlich diese Fehlerkultur? Und was daran ist Kultur? Ja, wir wissen, dass wir schon in der Schule mit dem Rotstift bewertet wurden. Fehler bedeuteten schlechte Noten. In die Norm passen, nicht anecken, das ist es, worauf es auch heute noch viel zu sehr ankommt. Im Job bedeuten Fehler, sich ins Abseits zu stellen, sich Karrierechancen zu verbauen, sich unbeliebt zu machen. Klar, wir wissen heute, dass es für geschäftlichen Erfolg darauf ankommt, schnell, kundenzentriert und iterativ Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Das bedeutet das frühzeitige Testen von Prototypen, bedeutet auch mit nicht ganz ausgereiften Produkten auf den Markt zu gehen – der zeitliche Vorteil und die Erkenntnisse aus diesen Prozessen entscheiden immer häufiger über Erfolg oder Misserfolg.

Soweit, so klar. Aber ist das schon die neue Fehlerkultur? Ich meine nein. Denn die vielbeschworene Fehlerkultur – egal ob „alt“ oder „neu“ – hat für jeden von uns persönliche Implikationen. Wie definieren wir für uns selber „richtig“ oder „falsch“? Wie sehr folgen wir in dieser Definition dem, was wir gelernt haben, dem was gesellschaftlich opportun ist, dem „das macht man so“ oder eben „das macht man nicht“?

Nach einer anstrengenden Woche mit Stress in der Abarbeitung von Aufträgen aber auch mit Erfolgen, mit einem neu gewonnenen Kunden, der Regelung von finanziellen Belangen, komme ich zur Ruhe. Ich freue mich an den Erfolgen, spüre, wie sie den Stress abfallen lassen, die Ärgernisse der Woche relativieren. Als ich diese Freude heute morgen mit Sven geteilt habe, schrieb er „wir machen viel mehr richtig als falsch, falls es sowas in unserer Welt noch gibt“. Da waren sie wieder die beiden Bewertungen „richtig“ und „falsch“. Beim Nachspüren wird mir klar, dass wir ein ganz anderes Verständnis von richtig oder falsch entwickelt haben. Wir empfinden richtig, was sich für uns gut anfühlt, das was uns und unserem Leben Sinn gibt, das was uns selber wachsen lässt. Vermutlich gibt es da draußen einige Menschen, die mir zustimmen, wenn es ums Private geht. Aber wie ist es im Job? Ich meine, dass dort viel mehr die Konvention gilt: richtig ist, was finanziellen Erfolg bringt und uns nicht anecken lässt, während falsch ist, was kein Geld bringt und nicht der Norm entspricht.

Und damit sind wir bei der Kultur. Kultur ist für mich etwas Bewegliches, etwas, dass ein Team oder ein Unternehmen oder auch eine Familie gemeinsam gestalten, immer mal wieder auf den Prüfstand stellen und im Sinne aller Mitglieder der Gemeinschaft entwickeln. Kultur ist nicht das, was immer schon so war, das was früher vielleicht funktioniert hat, das was es bequem macht, weil man weder sich noch andere in Frage stellen muss. Es ist so einfach den Begriff Unternehmens- oder Fehlerkultur zu bemühen, um Dinge zu erklären. Konvention ist nicht zwangsläufig gleich Kultur. Und es reicht nicht, immer wieder anzumahnen, dass wir eine andere Fehlerkultur brauchen. Wir müssen diskutieren, was das überhaupt ist? Müssen uns selber und in unserer Funktion als Führungskräfte klar machen, dass Fehler von Menschen gemacht werden, dass sie uns lehren, dass sie helfen, uns weiterzuentwickeln. Aber vor allem: sie bewerten nicht den Menschen als solchen, sie fördern Mut zu Veränderung und persönliches Wachstum. Wir müssen die alten Konventionen von „richtig“ und „falsch“ aufbrechen und im besten Fall unseren Mitarbeitern, Mitstreitern und Kritikern vorleben, dass es nicht das eine „richtig“ oder „falsch“ gibt. Wir müssen mutig sein im Fehler machen und vor allem darin, dazu zu stehen und sie als Chance begreifen.

Für mich persönlich gilt: Richtig ist, was sich gut anfühlt, falsch ist, was ich gegen meine Natur tue. Richtig ist, was mich frei macht, denn daraus entsteht mein Mut, entstehen die besten Ideen, entsteht meine Fähigkeit, Menschen zu bewegen – egal, ob Kunden oder Mitarbeiter. Und wenn ich mal falsch abbiege oder mir Fehler unterlaufen, lerne ich daraus und versuche, es beim nächsten Mal besser oder richtiger zu machen. Klar, das ist oft nicht leicht, denn auch ich bin ein Kind der Konvention und mit dem Rotstift aufgewachsen. Und oft genug dauert es ein paar Tage, bis sich mein eigenes, gewonnenes Gefühl von richtig und falsch wieder einstellt, ich zu meiner Überzeugung und Haltung zurückfinde. Na und? Genau das ist es, was das Leben ausmacht: in Bewegung bleiben, Lernen, mich selber beobachten und immer mal wieder auch hinterfragen. Eben: einfach mal zu weit gehen.